Wo liegt die Grenze zwischen Privat- und Berufsleben? Gibt es da einen ethischen Richtwert? Muss es überhaupt eine solche Grenze geben?

Ich schätze, im Endeffekt kann das jeder für sich selbst entscheiden – und sollte das auch! Es scheint ein häufiges Phänomen der urbanen Gesellschaft zu sein, dass man den Kreis seiner Kollegen als Ersatzfamilie betrachtet. Dieser Begriff weist sicherlich in keine falsche Richtung, doch würde ich eher von Familienersatz sprechen. Wenn man weit mehr als vierzig Stunden in der Woche an seinem Arbeitsplatz verbringt, kommt man nicht umhin sich mit den anderen Menschen zu arrangieren, die sich zur gleichen Zeit dort aufhalten. Grundsätzlich ist der Mensch ein soziales Wesen. Wenn er nicht seine leibliche Familie um sich hat, interagiert er irgendwann immer mit anderen Individuen in seiner Umgebung. Und das ist gut so! Soziale Interaktion ist schließlich gut für den Charakter. Mit etwas Glück gerät man sogar an freundliche Menschen an dem Ort an dem man die meiste Zeit des Tages verbringt. Wenn dem so ist, hat man einen Grund sich gerne dort aufzuhalten.

Aber was ist nun mit dem Privatleben? Gehen wir von 50 Stunden aus, die man von Montag bis Freitag auf der Arbeit verbringt (inkl. Pausen). Eine Woche hat logischerweise weit mehr als 50 Stunden. Es sind 7 mal 24, also genau 168. Zieht man 8 pro Nacht zum Schlafen ab, kommt man auf 112. Minus die 50 “Arbeits”-Stunden: 62. 1 Stunde pro Tag um von der Wohnung zum Arbeitsplatz und wieder zurück zu gelangen. 57.
57! Das sind 7 mehr als 50!! Auf eine ganze Woche bezogen hat man nach diesem Beispiel also immer noch etwas mehr Zeit für sein Privatleben als für seinen Beruf. Allerdings entfallen davon 32 Stunden (oder ca. 56 Prozent) auf Samstag und Sonntag. Und das rechnerisch in zwei 16-Stunden-Blöcken. Die restlichen 25 Stunden bilden die Zeit zwischen Aufstehen und Arbeitsbeginn sowie die Zeit zwischen Feierabend und Schlafengehen ab. Für ausgiebige Aktivitäten (oder Hobbys) findet sich dort im Grunde keine Gelegenheit, da diese Zeiträume einerseits zu kurz sind um sich ernsthaft mit einer Sache zu befassen und man andererseits einen Großteil davon für notwendige Handlungen wie Nahrung zubereiten/einnehmen und Haushaltsführung benötigt.

Somit bieten in der Tat nur die Wochenenden Zeit für das “echte” Privatleben. Nun mag es Menschen geben die dies nicht brauchen. Man erkennt sie daran dass sie sich in ihrer Freizeit hauptsächlich in ihrer eigenen Wohnung aufhalten und gerne bereit sind berufliche Aufgaben mit nach Hause zu nehmen, um sich dort damit zu beschäftigen. Ich möchte dieses Verhalten hier keineswegs bewerten oder kritisieren! Allerdings zähle ich mich nicht zu der gerade beschriebenen Gruppe von Menschen. Man könnte zwar behaupten ich hätte keine “richtigen” Hobbys, jedoch bildet die Möglichkeit regelmäßig Abstand von meiner beruflichen Tätigkeit nehmen zu können bei mir eine essenzielle Grundlage allgemeiner Zufriedenheit und Ausgeglichenheit. Optimaler Ausgleich zum Berufsleben – und damit Erholung – ist genau dann gegeben wenn ich zwischen Freitag Feierabend und Montag Morgen keinen Augenblick an meine Arbeit denke.

An dieser Stelle möchte ich noch einmal die lieben Kollegen ins Spiel bringen. Es ist nicht ungewöhnlich dass es unter solchen zu Freundschaften kommt, die sich üblicherweise nicht auf die Zeit beschränken, die man an seinem gemeinsamen Arbeitsplatz verbringt. Während man also mit seinen Kollegen privaten Kontakt pflegt, ist damit unwillkürlich eine Verbindung zum Berufsleben hergestellt. Um dazu dennoch ein angenehmes Maß an Ausgleich zu erlangen ist es wichtig dass gemeinsame Aktivitäten und Unterhaltungen thematisch niemals in Bezug zum Beruf stehen. Voraussetzung dafür ist dass man sich gegenseitig auf persönlicher Ebene gut kennt.
Wem ist nicht schon aufgefallen dass sich auf Betriebsausflügen und ähnlichem die meisten Gespräche mehr oder weniger um die Arbeit drehen? Was vollkommen verständlich ist, zumal sie die einzige Verbindung zwischen allen Teilnehmern ist. Finden organisierte Unternehmungen dieser Art (zumindest größtenteils) während der Zeit statt, die man normalerweise in der Firma verbracht hätte, ist dagegen nichts einzuwenden. Schließlich bleibt nach wie vor das Wochenende, um sich zu erholen. Problematisch wird es wenn eine betriebliche Unternehmung genau dann stattfindet. Zeit mit Kollegen zu verbringen, mit denen man außerhalb der Arbeitszeit keinen Kontakt pflegt, “fühlt” sich einfach nicht wie Privatleben an. Und man stellt nach einem solchen Wochenende unter Umständen fest, dass man sich mehr Ausgleich gewünscht hätte. Die darauf folgende Woche ist als Konsequenz eher von schlechter Laune geprägt.

Ich ziehe aus all dem den Schluss, dass für mich die Wochenenden “heilig” und ausschließlich für Dinge ohne Bezug zu meinem Beruf reserviert sind. Eine konkrete Auswirkung davon: Betriebsausflüge an Sams- oder Sonntagen sind tabu!

Gepostet von niko, abgelegt unter Freizeit, Job. Datum: 23. August 2008, 9:23 | Kein Kommentar »

11  Jul
Home-Office?

Wie meinem vorherigen Post zu entnehmen ist, bin ich heute nicht im Büro gewesen. Was mich allerdings nicht davon abgehalten hat mein geschäftliches Email-Fach einmal zu checken. Das hat sich sogar richtig gelohnt – es waren eine ganze Reihe ungelesener Nachrichten drin. Okay, die meisten davon konnte ich sofort löschen oder nach kurzem drüber lesen als erledigt markieren und irgendwo einsortieren. Aber trotzdem war es ein kleines bisschen Arbeit, die der Firma zugute kam.

Das war doch eine passende Einleitung zu einer Thematik, mit der sich eine Umfrage beschäftigt hat, die vor eine paar Tagen vom Bundesverband Informationswirtschaft Telekommunikation und neue Medien e.V. (kurz: BITKOM) veröffentlicht wurde. Es wurde bei ca. 1000 Personen nachgehört, wie sie zur Erledigung von geschäftlichen Arbeiten in den eigenen vier Wänden stehen. Und das Ergebnis kann sich sehen lassen: Immerhin 17% der Befragten würden ihre berufliche Tätigkeit am liebsten komplett zuhause ausüben, und 50% könnten sich vorstellen nur noch teilweise in den Räumen des Arbeitgebers zu ackern.

Gerade bei Jobs die sich ausschließlich am Rechner abspielen ist es doch eigentlich vollkommen egal wo dieser steht. So lange er eine stabile Anbindung ans Internet hat, ist es möglich auf die elektronischen Daten des Unternehmens zuzugreifen und mit Kollegen, Kunden oder Geschäftspartnern zu kommunizieren. Heutzutage ist man ohne großen technischen Aufwand weltweit vernetzt, und das nicht nur zuhause sondern im Grunde sogar überall wo mobile Datenverbindungen möglich sind.

Wo liegen überhaupt noch echte Vorteile “zur Arbeit zu gehen” gegenüber der Möglichkeit sich seine Arbeit nachhause zu holen oder sie einfach an beliebige Orte mitzunehmen? Den einzigen Faktor den ich (an)erkenne sind die persönlichen Kontakte mit den damit verbundenen zwischenmenschlichen Vorgängen. Unternehmen wie Google, deren Geschäft sich praktisch nur um Online-Themen dreht, machen es vor: Die Mitarbeiter werden regelrecht zu “Buddy-Beziehungen” gezwungen, zu Kollegen gleichermaßen wie zu Business-Partnern. Vielleicht gerade weil es nahe läge solche Firmen mit einem großen Schwarm von Freelancern – also “freien” Mitarbeitern ohne feste Bindung an einen Arbeitsplatz – zu betreiben, macht man es gerade nicht so. Es wird sehr großer Wert darauf gelegt, dynamische aber funktionierende und harmonische Teams zu bilden, die eine Art kollektiven “Spirit” erzeugen und dadurch leistungsfähiger sind. So etwas ließe sich nie mit räumlich getrennten, zersplitterten oder quasi virtuellen Arbeitsplätzen erreichen.
So lange es bei einer Tätigkeit wirklich nur um den reinen Output geht, ist der Ort an dem sie ausgeführt wird theoretisch egal (siehe z.b. Programmierer oder Call Center Agents). Sobald aber zwischenmenschliche Aspekte und Teamgeist einen Teil des geschäftlichen Erfolgs ausmachen, wird es nicht möglich sein alle Mitarbeiter ausschließlich im Home-Office zu beschäftigen.

Meine persönliche Idealvorstellung wäre eine Hybridlösung. In meinem Job ließen sich auf jeden Fall die rein ergebnisorientierten und die teambezogenen Aufgaben zeitlich trennen. Ich könnte mir sehr gut vorstellen einen Teil meiner täglichen Arbeit zuhause zu erledigen und hätte hier eine ruhigere Atmosphäre als im Büro, was mir in vielen Fällen vermutlich sogar den Kopf freier halten und damit zu besserer Leistung führen würde. Wenn es allerdings um Meetings und notwendige Absprachen mit Kollegen geht, bevorzuge ich eindeutig das persönliche Gespräch im Vergleich zu Telefon, Chat oder Videokonferenz.

Hier der Link zur Presseinfo der BITKOM: http://www.bitkom.de/53136_53131.aspx

Und hier eine nette Grafik dazu:

Gepostet von niko, abgelegt unter Job. Datum: 11. Juli 2008, 16:38 | Kein Kommentar »